OrdnerTempel der Musen

„Sage mir Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes …“ Der in Homers Odyssee noch Namenlosen und ihren Schwestern, jenen die Künste schützenden Zeuskindern, war das mouseîon gewidmet. Vom Überirdischen war freilich nicht viel übrig geblieben, als die Aristokratie den Repräsentationswert des Musealen für sich entdeckt und in ihren Kunstkammern skurrile Sammelsurien angehäuft hatte, deren exotische Provenienzen der weitreichenden, diesseitigen Herrschaft ihres Besitzers Pate stehen sollten. Revolution, Aufklärung usw. und das Museum ward geboren. Frei dem Motto „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen – und schau’ dir Kunst an!“ avancierte das Museum schließlich zur Idealanstalt bürgerlicher Bildung: Ein Raum zur Selbstvergewisserung des modernen Subjektes. In unserer Zeit scheinen die Ruhmeshallen künstlerischer Schaffenskraft wieder geradezu mystische Anziehungskraft auszustrahlen, schieben sich doch immer größere Massen durch die Säle, auf der Suche nach einem Sinn, den niemand so recht zu verstehen, aber an den jeder zu glauben scheint. Man ist ja im Museum.

Badische Reformer

Bis vergangene Woche lebte ich in dem Glauben, nur die Eröffnung eines neuen Casinos werde mit einem Grand Opening, wie man es aus Ocean’s 13 kennt, gefeiert. Dann kam ich nach Mannheim. Dort hat die Kunsthalle jetzt, nach einem dreitägigen Soft Opening im Mai, mit einem Grand Opening die Pforten ihres von Gerkan, Marg und Partner hingewürfelten Neubaus geöffnet. Wäre...

Dresdner Schätze

Mag es derzeit auch überraschen über die Hauptstadt Sachsens zu schreiben, erscheint es an dieser Stelle gar in doppelter Weise als angebracht. Immerhin glauben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sich auf den ältesten öffentlichen Museumsraum der Welt zu gründen – eine heißbegehrte Titulatur, die schon so manches mal ihren Herrn wechselte. Kein Zweifel herrscht indes am...

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Porträt einer Frau, 15. Jhd

„(…) denn es ist etwas sehr Angenehmes, Kunstwerke zu besehen, die Gedanken und Reflexionen, welche dabei vorkommen können, aufzufassen, die Gesichtspunkte sich geläufig zu machen, die andere dabei gehabt haben, und so selber Urteiler und Kenner zu werden und zu sein.“
—  Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, 1835-38

„(…) ob also Geschmack ein ursprüngliches und natürliches, oder nur die Idee von einem noch zu erwerbenden und künstlichen Vermögen sei, so daß ein Geschmacksurteil, mit seiner Zumutung einer allgemeinen Beistimmung, in der Tat nur eine Vernunftforderung sei (…): Das wollen und können wir hier noch nicht untersuchen.“
—  Kant, KdU, 1790