Sie

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Sie ist das unentwegte Streben nach Schönheit, setzt sich mit dieser gar in eins, ohne dass Sie dabei auf den Begriff bringen könnte, was eigentlich schön sei. So frisst Sie in erbarmungsloser Vereinnahmung jedes Thema und jede Phantasie und verdaut schließlich auch noch die absonderlichste Hässlichkeit als »Ästhetik«.

Sie funktioniert ohne Intention, ohne Sinn und ohne Nutzen. Ihre Funktion ist das Spielen zwischen Emotion und Intellekt, in deren Patt für Sie die Verheißung aufflammt, wahr zu sein. Harmonie ist die Zweckmäßigkeit Ihres von jedem Zweck entblößten Seins.

Sie ernährt sich vom Geist und labt sich am Gedanken, doch will nichts sehnlicher, als Materie zu werden. Ihre Passion ist die Suche nach der eigenen, der einzigen sich eignenden Form. Ihre Materialität ist die Spur von Authentizität, die sich in Ihrer Deutung verliert.

Sie ist ein ewig Werdendes und dazu verdammt, selbst als Produkt noch produktiv zu sein. Sie motiviert zu Ihrer Ermächtigung, Sie zu unterwerfen als exemplifizierte Empfindung oder lesbare Bedeutsamkeit. Sie ist die leidenschaftliche Hingabe, mit der man Ihr alles nimmt was Sie ist, wodurch Sie mehr wird als Sie je war.

Alles das ist Kunst.

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Porträt einer Frau, 15. Jhd

„(…) denn es ist etwas sehr Angenehmes, Kunstwerke zu besehen, die Gedanken und Reflexionen, welche dabei vorkommen können, aufzufassen, die Gesichtspunkte sich geläufig zu machen, die andere dabei gehabt haben, und so selber Urteiler und Kenner zu werden und zu sein.“
—  Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, 1835-38

„(…) ob also Geschmack ein ursprüngliches und natürliches, oder nur die Idee von einem noch zu erwerbenden und künstlichen Vermögen sei, so daß ein Geschmacksurteil, mit seiner Zumutung einer allgemeinen Beistimmung, in der Tat nur eine Vernunftforderung sei (…): Das wollen und können wir hier noch nicht untersuchen.“
—  Kant, KdU, 1790